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Published: 2009-04-14 07:16:38 +0000 UTC; Views: 496; Favourites: 1; Downloads: 5
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Description
Es ist wieder soweit. Die Tage länger, die Nächte kürzer. Die Röcke der Damen fader. Die Mode der Herren seltsamer.Frühlingserwachen lautet das Motto dieser Tage. Es sprießt, blüht, wächst, grünt wohin das Auge nur blicken mag. Aus einem unscheinbaren und unansehnlichen braunen Busch, ja gar noch mit Blättern der letztjährigen Saison behangen, wird mit einmal das blühende Leben.
So manch gehegtes und gepflegtes Gewächs hat diesen Winter leider nicht überstanden.
Trotzdem lässt man es noch etwas stehen, in der Hoffung es schlägt noch aus.
Doch leider, oh leider wird schon bald erkannt, dass alle Wünsche, aller Dünger und Bewässerung nichts nützt und man muss sich damit befassen sich was Neues zulegen zu müssen.
Dann werden wieder Kataloge gewälzt, Gartenhäuser, Gärtnereien durchforstet um das zu ersetzten was uns genommen wurde. Jahrelange, ja gar, Jahrzehntelang, Generationen von uns überstand es alle Witterungserscheinungen, die Mutter Natur uns jeden Winter schickt. Was haben wir dieses Mal falsch gemacht? Wird sich dann gefragt. Vielleicht war es einfach Zeit für ihn zu gehen, wirft man dann sehr zaghaft in den Raum und erntet dafür einen unverständlichen Blick. Früher, ja früher, haben die mehr vertragen. Mag sein. Aber auch der beste Busch, der beste Baum aus guter Züchtung hat nur eine begrenzte Lebenspanne. So wie mit allen Dingen dieser Welt.
Versucht man das mit lieben Worten den Trauernden mit lieben Worten und sehr langsam klar zu machen, steht man mit einmal selbst auf der Liste der bedrohten Arten. Damit man aber nicht dazu gehören will, tut man alles um den Verlust soweit wie möglich wieder zu ersetzen. Möglichst mit einem gleichen Exemplar. Was sich nach durchsuchten Tagen in diversen Einrichtungen als äußerst schwierig bis unmöglich herausstellt.
Weil die falsche Jahreszeit für gerade diese Pflanzengattung, der gemeine Hausknecht sich gerade vermehrt, momentan nur rosablühende Klematis in sind, weil diese Sorte so nicht mehr gezüchtet wird. Weil jenes, weil dieses, weil überhaupt.
Gut, also suchen wir doch mal das Internet auf und sehen nach, was das zu bieten hat.
Nach einer erstaunlich kurzen Suche finden wir dann auch einen passenden Anbieter bzw. Hobbyzüchterverein, der uns eine Liste diverser Züchter auch in der Nähe ausspuckt.
Nach einem kurzem Telefonat gibt es dann doch die Möglichkeit ein Exemplar der gewünschten Gattung abzuholen. Meine Befürchtungen, oder doch mein Wunsch, ans andere Ende der Welt zu reisen –um dem hier allen zu entkommen- wurden damit begraben.
Nach einer kurzen Irrfahrt und zweimaligen Umleitungen kommt man dann doch da an wo man hin will. Der riesige Hofhund, Pony bis mittlere Pferdegröße, lässt einen auch ohne Frage und dem Abgeben eines lautstark geforderten Leckerlies glatt und sogar freiwillig auf das Grundstück.
Die Hausdame führt uns in ein Gewächshaus, was einen an die Zuchtstation aus irgendeinem Resident Evil Teil erinnert. Dort bereitet der Göttergatte dann, mit vielem Nachgefrage, warum denn gerade diese Sorte gewählt wurde, einen herzlichen Empfang nebst Handschlag mit dreckigen Händen. Verschämt wischt man sich unbeobachtet die Hände an der Jeans ab. Bei der Erklärung, Erbstück von Ururgroßtante 5ten Grades aus Amerika, verheiratet gewesen mit einem Offizier eines südostasiatischen Landes, dessen Namen uns allen entfallen war, wird man seltsam von oben bis unten angeschaut. Der Begriff inkompetent schleicht sich langsam in den Denkapparat. Als hätte man einen Orkan bescheid gegeben wird man so mit Erklärungen und anderem überhäuft, dass man nach 2 Minuten nur noch auf Durchzug stellen will und das auch tut.
Nach einer Stunde Ermahnungen, Anregungen, Tipps und Verwünschungen, dass man sich nun doch als Pflanzenexperte wähnt, zieht man dann mit dem gewünschten Exemplar von dannen, nicht ohne einen horrenden Preis hin zu blättern. Das Prädikat direkt vom Hersteller scheint die Preisschraube noch mal an ziehen zu lassen. Gut, in den Baumärkten etc. wird meist so oder so nur in Massen produzierte Ware angeboten.
Bei der Rückfahrt hört man dann Worte wie, ich habs dir doch gesagt, diese Dinger leben ewig.
Ja, auch wenn die Sonne irgendwann in einen Roten Riesen verwandeln wird, wird diese Pflanze immer noch leben. Nur wir nicht mehr. Wer es glaubt.
Frühling. Denkt man sich wieder und fragt sich gleichzeitig, warum tu ich mir jedes Jahr diesen Streß mit dem Garten überhaupt noch an? Doch auf der anderen Seite, man hat das Gefühl was schönes geschaffen zu haben. Nur für sich alleine. Ohne das einem was von der Gesellschaft aufgedrängt wurde. Von den Medien. Der Masse. Das hier ist noch mein Ding und da hat mir keiner reinzureden.
Hier noch mal das Wort:
Frühling. Nach Aussage einiger gemeinhin als Experten bekannten Leute, sollen neben dem Grün auch noch andere Dinge sprießen. Zarte Bande unter den Liebenden. Hormonwallung. Chemical reaction. Mich scheinen die damit nicht gemeint zu haben. Oder bin ich mal wieder zu sehr damit beschäftigt von einer Niesattacke zur nächsten zu hangeln, dass ich nicht mitbekomme, was um mich herum vorgeht?
Lange schon habe ich mir den Sommer gewünscht. Nur 4 Wochen um Frühjahr würde ich gerne irgendwohin fahren, wo Birke und Hazel gerade nicht blühen. Oder schon geblüht haben. Oder gar nicht erst anfangen zu blühen. Da hilft nur eine vierwöchige Reise durch sämtliche Wüsten dieser Welt. Solange einem von den dauernden Geschaukel auf den Wüstenschiffen nicht schlecht wird, ist doch alles in bester Ordnung.
Warum heißt dann der Frühling Frühling? In anderen Ländern hat er so klangvolle Namen wie Primavera oder Spring. Frühling klingt sehr flach in meinen Ohren. Warum blieb es nicht bei Lenz?
Veronika, der Lenz ist da. Ja, die erste Boyband der Welt hatte schon recht.
Nicht auszumachen ist woher der einfache Begriff Frühling stammt. Weder Wiki noch andere Seiten geben darüber schlüssige Auskunft. Nur das es ihn gibt. Also den Begriff und die Jahreszeit auch.
Jeden Tag sieht man nun was neues erblühen, dort sich ein Blatt ausfalten. Erste Insekten fliegen von Blume zu Blume. Die Vögel wecken einem zwitschernd. Wie sehr man doch die ersten wärmenden Sonnenstrahlen geniest. Die ersten Grillfeten. Einfach dieses, man darf endlich wieder draußen sein. Ohne Wollpullover, dicker Jacke, Schal umgehängt, Mütze auf. Handschuhe an. Und nur wenn es nicht anders möglich ist ausm Haus tritt.
Vorbei mit Schnee, Kälte, dieses Morgens Dunkel, Abends Dunkel. Man fährt im Hellen zur Arbeit und kommt im Hellen nach Hause. Keine miese Stimmung mehr. Die Dauerdepriwolke ist weg und man freut sich des Lebens. Man möchte alles und jeden Umarmen und an sich drücken. Hach, das Leben ist nur eins:
Schön.


