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Beavis-Chan — chapter 4 by-nc-nd
Published: 2012-09-11 15:27:12 +0000 UTC; Views: 477; Favourites: 0; Downloads: 3
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Description Berni

Die Kellnerin hatte bereits unsere Kakaos gebracht und Bree starrte noch immer auf die Tischplatte. Seitdem sie gesagt hatte, sie wolle mir etwas erzählen, hat sie kein Wort mehr gesagt. Mir schien es, als wollte sie sich sammeln, um mir dann eine bombastische Nachricht zu überbringen. Aber die Stille dauerte immer länger an. Als ich schließ bemerkte, dass sich ihre Gesichtsfarbe immer mehr der kalkweißen Wand anpasste, wurde ich nervös. „Bree, was ist los?" Meine Stimme zitterte. Ich hatte Angst, dass ihr während meiner „Abwesenheit" etwas Schlimmes zugestoßen ist. Was war nur mit ihr los? Meine liebe Bree so aufgelöst zu sehen, bereitete mir ein extrem schlechtes Gefühl im Magen. Langsam hob sie den Kopf. Mit glasigen Augen schien sie durch mich hindurch zu sehen. Ihre Lippe begann zu zittern. Dann flüsterte sie kaum hörbar: „Berni… Du… ich… du… auf auf der Treppe… du bist da gelegen… ich… ich" Nun sah sie mir direkt in die Augen. An ihrer Oberlippe bildete sich ein dünner Schweißfilm. Verdammt nochmal, was war los mit ihr? Ich habe sie noch nie so erlebt! War sie krank? Ich verstand ihre Worte kaum. Vorsichtig, um sie nicht zu erschrecken, streckte ich meine Hand aus, um ihr Gesicht zu befühlen, ob sie vielleicht Fieber hatte. Sie sah gar nicht gut aus. Jetzt war sie sogar, egal wie unmöglich das auch klingen mag – weißer als die Wand. Sie packte mein Handgelenk und drückte meine Hand auf die Tischplatte. Ihre Haut war eiskalt.
„Ich bin nicht krank. Nur nervös. Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll." Sie nahm ihre zitternde Hand von meiner. Sichtlich irritiert, dass ihre Stimme jetzt wieder fest war, setzte ich mich neben sie, was mit meinem ungewohnt eingegipsten Bein schwieriger war als gedacht. Vorsichtig nahm ich sie in den Arm. Daraufhin beruhigte sie sich immer mehr, bis ihr Atem wieder normal ging. Schweigend tranken wir unseren Kakao aus. Dann hob sie den Kopf und sagte mit dem Anflug eines Lächelns: „Komm, lass uns nach Hause fahren!"
Ab dem Moment, an dem wir aus unserem Lieblingskaffeehaus hinausgegangen waren, war sie wieder ganz die Alte. Sie machte wie gewohnt ihre Späßchen und während der Fahrt sang sie ihr Lieblingslied vor sich hin. Sie hatte so eine schöne Stimme! Tagelang könnte ich ihr zuhören und es würde mir nicht zu blöd werden.


5 Bree
Warum war ich so nervös, wenn ich an den Abend des Geschehens zurückdachte? Immerhin habe ich überlebt und Berni auch. Klar, es beunruhigt mich, dass sein Bein gebrochen ist, aber das wird schon wieder. In ein paar Jahren wird man nicht einmal mehr die Narbe erkennen. Irgendwann habe ich den Vorfall mit dem Wagen wahrscheinlich schon vergessen. Ich muss meine Emotionen besser unter Kontrolle behalten. Ich war doch sonst nicht so… leicht aus der Fassung zu bringen! Warum gerade jetzt?
Beinahe nebenbei lenkte ich mein Auto in Berni's Einfahrt. Hier war ich zuhause! Auf halbem Weg zur Haustür rief mir Berni hinterher: „He, willst du mir nicht helfen???" Bei seinem Anblick musste ich lachen. Sein Gipsbein klemmte unter dem Autositz fest und mit dem anderem Bein und seinem Körper stand er schon neben dem Auto. Leicht verwirrt fixierte er mich mit seinem Blick. Da konnte ich nicht anders, ich musste losprusten. „Hahaha!! Entschuldigung, ich lache dich nicht aus, hahaha! Hahahahahaha!!!" „Nein, du lachst mich nicht aus, nein, he, was soll das! Mach dein Handy weg! Sofort! Bree! Hast du nicht gehört? Verdammt nochmal! Na warte!" Zu spät, ich hatte bereits ein Foto gemacht. Diese Augenblicke muss man sich einfach für die Ewigkeit haltbar machen. Und je mehr sich Berni aufregte, umso lustiger wurde sein Anblick. Als ich mich daran sattgesehen hatte, ging ich zu ihm und half ihm. Natürlich ließ er sich die Gelegenheit nicht nehmen, mir ins mit dem Gipsbein ins Schienbein zu treten, was höllisch weh tat. Naja, ich habe es auch irgendwie verdient. „Ha! Autsch!"
„Ein Gipsbein ist keine Waffe, du Nudel-Aug! Hahaha!" Da mussten wir beide lachen. Humpelnd machten wir uns auf den Weg in sein Haus.

Die Atmosphäre beruhigte mich ungemein. Es war alles so wie immer. Die Schuhe lagen unordentlich im Vorzimmer, Berni's Jacke hing am Haken, so wie sie auch vor ein paar Tagen dort gehangen hat. Seine Eltern waren nicht im Haus, darum war es noch überall ganz still. Wir gingen hinauf in sein Zimmer. Auch da war alles wie immer. Sogar auf dem Teller auf dem Couchtisch lagen noch Brotkrumen. Alles hatte so eine heimische Ruhe. Hier fühlte ich mich sicher und wohl. Umständlich das Bein hinterher ziehend setzte sich Berni aufs Sofa. Ich musste mir ein Grinsen verkneifen und setzte mich schnell neben ihn. Er legte seinen Arm um meine Schultern und zog mich näher heran. Ich bemerkte den Krankenhausgeruch, der immer noch in seinen Kleidern festsaß. Er schenkte mir ein ermutigendes Lächeln. So an die Schulter meines besten Freundes gekuschelt, fing ich an zu erzählen.
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